Der erste Arbeitstag nach der Elternzeit steht im Kalender. Der Termin rückt immer näher und noch bevor er wirklich da ist, ist er schon längst in deinem Kopf.
Du liegst abends wach und plötzlich kommen diffuse Gedanken und Gefühle rund um deinen Job hoch: Da ist Vorfreude auf ein Stück von deinem alten Leben. Und im nächsten Moment ein ungutes Gefühl im Bauch, wenn du dir vorstellst, dein Kind für mehrere Stunden abzugeben. Da sind Zweifel. Fragen. To-dos und Ängste.
Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bist damit wirklich nicht allein. Den meisten Mamas geht es so.
Und deswegen finde ich: Der Wiedereinstieg beginnt nicht am ersten Arbeitstag. Er beginnt viel früher – mit genau diesen Gefühlen, Sorgen, Fragen und der ganzen Orga drumherum. Und genau da lohnt es sich, hinzuschauen und sich wirklich vorzubereiten. Nicht, um dir noch mehr Druck zu machen. Sondern damit du mit einem klaren Plan und einem klaren Fokus startest – statt einfach reinzuschlittern in den Job und zu hoffen, dass es schon irgendwie wird.
Daher ehrlich: Diese Gedanken kennen fast alle
Bevor wir über Vorbereitung sprechen, will ich all die Gefühle und Gedanken einmal benennen, die mir in den Coachings so oft begegnen. Du wirst sehen: Irgendwie tut es gut zu hören, dass es nicht nur dir so geht.
Kann ich das überhaupt noch? Will mich überhaupt noch jemand? Sind in der Zwischenzeit alle an mir vorbeigezogen? Bin ich noch so leistungsfähig wie vorher? Und wie um alles in der Welt soll das im Alltag klappen?
Und dann ist da oft noch diese eine, besonders stille Frage – gerade wenn du in Teilzeit zurückkommst: Was bin ich eigentlich noch wert, wenn ich weniger Stunden arbeite?
Ich beobachte das immer wieder: Wir bemessen unseren Wert fast automatisch an Stunden und Gehalt. Weniger Stunden fühlt sich dann schnell an wie weniger wert.
Was hinter all diesen Fragen steckt, ist selten nur der Job. Es ist die Tatsache, dass du dich auch verändert hast. Deine Prioritäten, dein Blick auf die Welt, das, was dir wichtig ist. (Wenn dich das genauer interessiert, habe ich dazu einen eigenen Artikel geschrieben: Warum sich dein Job nach der Elternzeit anders anfühlt.)
Wichtig ist: Du kannst diese Gefühle (leider) nicht einfach wegdenken. Sie sind ein normaler Teil des Prozesses – und deswegen kannst du dich schon jetzt so vorbereiten, dass sie dich nicht überrollen.
Gute Vorbereitung heißt nicht, alles zu planen
Vorbereitung klingt für viele nach einer To-do-Liste, die noch länger wird. So meine ich es nicht, denn von To-do's haben wir Mamas wirklich nicht zu wenige.
Ich meine: Stell dir vorher ein paar Fragen, die dir sonst in den ersten hektischen Wochen um die Ohren fliegen. Damit du weißt, was du willst und was du brauchst – bevor andere es für dich festlegen.
Ich schaue dabei mit meinen Coachees am liebsten auf drei Ebenen: ICH. Mein JOB. Unser ALLTAG. Diese drei Ebenen sorgen nicht dafür, dass von Tag eins alles rund läuft. Aber ihr habt einen konkreten Plan für die ersten Wochen.
Ebene 1: ICH
Hier fängt alles an – und diese Ebene wird gleichzeitig am häufigsten übersprungen. Auch so ein Phänomen von uns Mamas: Meistens kommen wir zum Schluss.
Bevor du klärst, wie der Job genau aussehen soll und wer wann das Kind abholt, darfst du bei dir selbst anfangen.
Nimm dir Zeit für diese Fragen:
- Was brauche ich, damit sich mein Wiedereinstieg gut anfühlt – nicht nur „machbar"?
- Was ist mir heute im Job wichtiger als vor der Elternzeit? Und was ist mir weniger wichtig geworden?
- Was möchte ich vielleicht bewusst anders machen als früher?
Das sind keine Fragen, die du in fünf Minuten beantwortest. Aber schon das bloße Nachdenken darüber verändert, wie du dein Rückkehrgespräch und die ersten Wochen gestaltest. Nämlich mit einer Idee davon, was du willst – statt nur zu funktionieren.
Ebene 2: Mein JOB
Und jetzt der Perspektivwechsel, den ich als HR-Expertin besonders liebe: Schau nicht nur auf dich, sondern auch auf die andere Seite des Tisches.
Was braucht eigentlich deine Führungskraft, damit dein Wiedereinstieg für sie gut läuft? Was braucht dein Team? Was solltet ihr unbedingt besprechen, damit Erwartungen und Grenzen klar sind? Wenn du das schon mitdenkst, führst du das Rückkehrgespräch plötzlich auf Augenhöhe. Geh nicht ins Gespräch und warte ab, welche Rolle für dich vorgesehen ist. Geh mit eigenen Ideen und klaren Vorstellungen rein. Bring aktiv eine Idee mit, wie du dir deine Rolle vorstellst, was du übernehmen willst, was gut zu deiner neuen Situation passt. Ein klarer Plan und klare Kommunikation nehmen dir und deinem Gegenüber enorm viel Unsicherheit und zeigen, dass dir dein Job immer noch wichtig ist.
Und dann ist da noch dieser Teilzeit-Gedanke, der so vielen im Weg steht. Bitte denk Teilzeit nicht nur in Stunden. Denk sie in Verantwortung und Impact.
Denn dein Wert bemisst sich nicht an der Zahl auf deinem Vertrag. Zwei Tage, an denen du ein Thema wirklich vorantreibst und Verantwortung übernimmst, sind für ein Unternehmen wertvoller als fünf Tage Anwesenheit ohne Fokus. Wenn du selbst anfängst, so über deine Arbeit zu denken und zu sprechen, verändert das auch, wie dein Umfeld sie sieht.
Ebene 3: Unser ALLTAG
Die schönste berufliche Klarheit hilft dir nichts, wenn dich der Alltag zu Hause nicht trägt. Deshalb gehört diese Ebene genauso auf den Tisch – am besten mit deinem Partner oder deiner Partnerin gemeinsam.
Ein paar Fragen, die ich dir ans Herz lege:
- Wie sieht dein Support-System aus? Wer springt ein, wenn das Kind krank ist – und Plan B ausfällt?
- Wer übernimmt was? Und zwar ganz konkret anhand von klaren Aufgaben und Verantwortungsfeldern.
Mein liebster Tipp hier: Schreibt euren Alltag einmal wirklich als Stundenplan auf. Von morgens bis abends, Tag für Tag. Wer bringt, wer holt, wer kocht, wer macht den Haushalt, wo sind die Puffer. Das klingt erstmal nervig – aber nichts entlarvt so schnell wie ein Stundenplan, wo die Last ungleich verteilt ist und wo es eng wird, bevor es überhaupt losgeht.
Genau für diese Übung – und für die Fragen auf allen drei Ebenen – habe ich übrigens mit meiner Partnerin Leena von NoMamaB SHIFT den Back to Job Kompass entwickelt. Ein Workbook, das dich Schritt für Schritt durch deine Vorbereitung führt, damit du nicht bei null anfangen musst. Den Link findest du am Ende.
Und dann: Gib dir Zeit
Erwarte nicht, dass sich am ersten Tag alles richtig anfühlt. Oder in der ersten Woche. Oder im ersten Monat. Denk mal an dein Wochenbett zurück. Wie lange hat es gedauert, bis du dich als Mama im Alltag halbwegs sortiert gefühlt hast? Wochen. Vielleicht Monate. Niemand erwartet im Wochenbett, dass an Tag drei alles läuft. Warum also im Job?
Dein Wiedereinstieg ist auch wieder ein Übergang. Und Übergänge brauchen Zeit, bis sich alles findet. Diese Zeit darfst du dir geben – schon in deinem Kopf, bevor es überhaupt losgeht.
Drei Fragen, mit denen du heute anfangen kannst
Du musst nicht alles auf einmal klären. Aber du kannst heute den ersten Schritt machen. Nimm dir zehn Minuten und schreib dir auf:
- Was brauche ich, damit sich mein Wiedereinstieg richtig gut anfühlt? Nicht nur machbar.
- Was möchte ich wem klar kommunizieren, bevor ich zurück in den Job gehe? Egal ob bei deinem Partner / deiner Partnerin, mit deiner Führungskraft, deinem Team, der Kita oder deinem Support-System.
- Wie sieht unser Alltag realistisch aus – und wer übernimmt was? So konkret wie möglich. Am besten als Stundenplan.
Es gibt darauf keine richtigen oder falschen Antworten. Es geht darum, dass du dir die Fragen überhaupt stellst – bevor der erste Tag es für dich tut.
Und wenn der Wiedereinstieg dann läuft? Darüber schreibe ich bald mehr.
Willst du deinen Wiedereinstieg strukturiert vorbereiten? Genau dafür haben Leena von NoMamaB SHIFT und ich den Back to Job Kompass entwickelt – das Workbook, das dich Schritt für Schritt durch alle drei Ebenen führt.
Zum Back to Job Kompass